Tipps zur Reisefotografie
Reisefotografie ist ein eigenständiges Genre der Fotografie. Sie befasst sich mit der Dokumentation von Landschaften, Kulturen, Menschen und deren Lebensweise. Dabei geht es um Storytelling, also um eine Erzählung, die möglichst auch die Atmosphäre, das Gefühl und die Geschichten eines Ortes einfangen soll.
Hier einige allgemeine Ratschläge in Kurzform:
- Gehe mit offenen Augen durch die Welt, versuche die Atmosphäre eines Ortes zu spüren. Genieße deine Reise!
- In der Street Fotografie achte auf interessante Perspektiven, Lichtmuster, Schatten, Spiegelungen, Details an der Architektur, Graffiti, Schilder oder auf interessante Menschen. Besonders Kontraste können eine Geschichte über einen Ort erzählen: Alt – Neu, Arm – Reich, Tradition – Modern.

Im Beispiel liegt der Fokus auf dem sozialen Kontrast zwischen den modernen Hotels am Strand der Praia Ipanema und den dahinter liegenden Favelas. - Führende Linien in deinem Bild lenken das Auge des Betrachters zum Hauptmotiv bzw. erzeugen eine dreidimensionale Räumlichkeit. Das können Wege, Straßen, Flüsse oder Gebäudekanten sein. Dadurch wird auch der Vordergrund eingebunden.
- Nutze natürliche Rahmen für das Hauptmotiv, z.B. ein architektonisches Element (Gewölbe etc.) oder einen Baum.
- Stelle das Hauptobjekt nicht ins Zentrum deines Bildes, sondern befolge die „Drittelregel“. Das Bild wird dabei gedanklich in 3×3 Felder geteilt, das Hauptmotiv kommt an einen Schnittpunkt der Linien. Manche Kameras können diese Linien auch in den Sucher einblenden. Man kann das auch nachträglich durch einen passenden Ausschnitt erwirken. https://de.wikipedia.org/wiki/Drittel-Regel

- In der „Goldenen Stunde“ bietet der seitliche Lichteinfall in der Früh oder am Abend weiches, warmes Licht und Räumlichkeit.
- In der „Blauen Stunde“ erhalten späte Abendaufnahmen durch den noch dunkelblauen Himmel spektakulärere Ausdrucksstärke, besonders bei Kontrast mit warmem Kunstlicht.

- Wähle einen guten Fotostandpunkt mit dem besten Blickwinkel. Oft führen schon ein paar Schritte zu einem besseren Ergebnis. Wenn vorhanden, steigt man vielleicht auf einen etwas erhöhten Standort – ein Mäuerchen, eine Stiege, ein Hügel. Oder man hält die Kamera hoch über den Kopf.
- Auch abseits der Hauptrouten der Touristen findet man hervorragende Motive. Zeitig in der Früh sind oft noch keine Touristen unterwegs, und auch das Licht ist viel besser.
- Respektiere die Privatsphäre von Menschen, die du gezielt fotografierst. Bitte sie um Erlaubnis, zeige Interesse und gib ihnen eventuell ein Geschenk. Meist reicht eine Kleinigkeit wie etwa ein Packerl Mannerschnitten…
- In der Tierfotografie benötigt man meist viel Geduld. Tiere in Aktion sind immer ein Hingucker. Fotografierst du Tiere aus der Nähe, dann fotografiere nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe. Generell gilt: Störe das Tier nicht, indem du dich zu sehr näherst und achte bei potenziell gefährlichen Tieren auf deine Sicherheit. Fototechnisch sind in der Tierfotografie längere Brennweiten meist vorteilhaft. Das Allerwichtigste sind scharf abgebildete Augen!

Der winzige, kletterfreudige Pfeilgiftfrosch ist freiwillig auf Augenhöhe entgegengekommen… - Fotos von Mitreisenden: Bitte nicht vor einer Sehenswürdigkeit statisch aufstellen, spannender ist eine Tätigkeit der Personen – beim Küssen, beim Eisschlecken, beim Stadtplan studieren… – oder die Person ist in Bewegung.
- Portraits: Sorge für natürliche Momente, lenke die Person durch ein Gespräch ab. Mache Serienaufnahmen. Beziehe die Umgebung mit ein, auch das sorgt für eine Erzählung. Längere Brennweite und offene Blende bewirken unscharfen Hintergrund, das Portrait kann das Bild dominieren. Fotografiere eher im Schatten oder bei bewölktem Himmel. Das Licht ist weicher und die Person kneift die Augen nicht zusammen.
- Thema Sicherheit: In manchen Ländern oder Städten ist einiges zu beachten: Bewege dich nicht allein oder bei Dämmerung oder Dunkelheit, provoziere nicht mit teurer Fotoausrüstung! Im Ernstfall gilt: lieber keine Gegenwehr, denn der Verlust der Kamera ist nichts gegen den Verlust von Gesundheit oder Leben! Und fotografiere keine kritische Infrastruktur oder gar militärische Anlagen!
Nach der Reise: Auswahl und Präsentation
Reisefotografie bedeutet, dass die Bilder sinnvoll zu einer visuellen Erzählung zusammengefügt werden. Richtig gut wird die Story, wenn auch Atmosphäre und Emotionen transportiert werden. Das Schwierigste steht oft schon am Beginn, wenn aus unzähligen Bildern die aussagekräftigsten ausgewählt und chronologisch oder thematisch angeordnet werden sollen. Die Art der geplanten Präsentation bestimmt schon die Auswahl der Bilder:
Fotobuch: Hier gibt es zwei unterschiedliche Zielsetzungen. Die eine ist eine ausführliche Reisedokumentation, die zweite Variante ist eine kraftvolle, künstlerische Geschichte mit nur wenigen starken Bildern, die ohne viel Text wirken können.
Tipp: Du kannst in dein Fotobuch auch Kurzvideos einbinden. Einige Fotobuchanbieter bieten diesen Service, aber Achtung: der Download von deren Server ist meist auf ein Jahr begrenzt! Als Alternative kannst du das Video auf einen Cloudspeicher hochladen, den Downloadlink in einen Online-QR-Code-Generator eingeben und ins Fotobuch einbinden. Google Fotos bietet z.B. einen zeitlich unbegrenzt gültigen Downloadlink.

Diashow: Die Abfolge der Bilder soll eine flüssige Erzählung bieten und visuell harmonieren. Setze bei PowerPoint-Präsentationen Animationen wie Zoomfahrten etc. nicht oder nur sparsam ein, vielfach können sie störend oder gar lächerlich wirken. Und denke daran: Weniger ist mehr! Ein Vortrag mit hunderten Bildern ist für alle Betrachter eine Zumutung.
Blog oder Webseite: Hier ist eine besonders kompakte Präsentation erwünscht. In sozialen Medien wie Instagram oder Facebook verwendet man pro Beitrag nur wenig Text, der Fokus liegt auf 3-4 starken Bildern. Auch für Blogbeiträge sollte man nur wenige gute Bilder verwenden, der Text sollte in 3-5 Minuten gelesen werden können.
Gutes Gelingen!
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