Quetzal & Quetzalcoatl

Wissenschaftlich heißt der Quetzal Pharomachrus mocinno (pháros = „Mantel, Schleier“ und makrós = „lang“). Er gehört zur Familie der Trogone (Nageschnäbler). Sie alle sind sehr farbenprächtig, ernähren sich von Früchten und wirbellosen Tieren, besitzen Kletterfüße und verbringen den größten Teil des Tages auf Bäumen. In der Gattung Pharomachrus hat der Quetzal nur noch vier weitere Verwandte. Als Höhlenbrüter graben sie mit dem Schnabel in einem morschen Baumstamm eine Bruthöhle, die Aufzucht der meist 2-4 Jungen erfolgt durch beide Elternvögel. Der Quetzal lebt ausschließlich in isolierten und natürlich begrenzten Nebelwaldgebieten, wo das immerfeuchte Klima die Verrottung von Totholz ermöglicht, in das er seine Bruthöhle graben kann.
Der Quetzal gilt als besonders gefährdete Art. Einerseits wird sein Lebensraum durch Waldrodungen immer mehr eingeschränkt, andererseits bewirkt die Klimaerwärmung, dass die Nebenzonen immer höher hinaufziehen und dadurch der Lebensraum noch mehr eingeschränkt wird. Überdies wird der Quetzal auch heute noch (illegal) bejagt.

https://www.researchgate.net/publication/335611663_Vocalizations_of_the_rare_and_flagship_species_Pharomachrus_mocinno_Aves_1_Trogonidae_implications_for_its_taxonomy_evolution_and_conservation_2_3
Der Quetzal fasziniert durch sein prachtvolles, smaragdgrünes und rubinrotes Federkleid. Was viele nicht wissen: Die schönen, bis zu einem Meter langen Schwanzfedern trägt der männliche Quetzal nur zur Balzzeit, danach fallen sie ihm wieder aus. Auch seine Seltenheit macht ihn zu etwas besonderem – was selten ist, ist ja auch wertvoll!
Für die einheimische Bevölkerung ist der Quetzal durchaus von Bedeutung: Einerseits ist er eines der Zugpferde für den sanften Ökotourismus und insbesondere für die Vogelbeobachtung (Birdwatching) und gemeinsam mit vielen anderen Schönheiten Costa Ricas ist er eine Einkommensquelle für Tourismusbetriebe, Nationalparks und Guides. Andererseits hat der Quetzal eine tief verwurzelte historische und mythologische Bedeutung als heiliger Göttervogel. Insbesondere ist er seit Jahrhunderten ein Symbol für Freiheit. Dadurch hat er es sogar zum Wappentier Guatemalas gebracht, und in diesem mittelamerikanischen Land ist sogar die Währung nach ihm benannt: Quetzal.

Der Name Quetzal stammt aus den längst vergangenen Kulturen aztekischer Völker Mittelamerikas. In der Nahuatl-Sprache der Azteken bedeutete „quetzalli“ so viel wie „Schwanzfeder des Quetzal“ oder im übertragenen Sinn einfach „schön“ und „kostbar“.
Zur präkolumbianischen Zeit wurden die Federn als Kopfschmuck für Fürsten und Priester verwendet oder zu rituellen Zwecken benützt. Sie wurden gefangenen Tieren ausgerissen – das Töten der Vögel war aber strengstens verboten. Denn der Quetzal galt als heiliges Tier.
In vielen Museen der Welt sind eindrucksvolle Objekte aus dieser Zeit zu bewundern. Besonders prächtig ist die „Federkrone Moctezumas“, sie war vermutlich Kopfschmuck eines Priesters. Ob er dem aztekischen Herrscher Moctezuma II. gehörte, ist allerdings Spekuation. Die Krone hat eine Breite von 175 cm uns besteht unten aus blauen Federn des in Nahuatl, darüber aus unzähligen schuppenartig angeordneten Goldplättchen und nach außen hin aus unzähligen dicht aneinandergesetzten Schwanzfedern des Quetzal.

Foto: Thomas Ledl – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41846248
Quetzalcoatl, das göttliches Mischwesen
Der Name Quetzalcoatl bedeutet „gefiederte Schlange“ oder „kostbarer Zwilling“. Doch wie kamen die alten Völker Mittelamerikas dazu, eine Schlange und einen Vogel zu einem Mischwesen zu vereinen? Eine Theorie besagt, es liege vielleicht am eindrucksvollen Balzflug des Quetzals. Während der Brutzeit schnellt das Männchen mit lauten Rufen und schlangenartigen Bewegungen der Schwanzfedern in den Himmel und lässt sich im Sturzflug zurück in die Kronendächer fallen. Die wellenartigen Bewegungen haben für die Ureinwohner vielleicht einen Bezug zu einer fliegenden Schlange hergestellt.
Quetzalcoatl war hunderte Jahre für mittelamerikanische Kulturen eine Gottheit. Für die Maya (ca. 250-900 n.Chr.) stand die göttliche gefiederte Schlange für Auferstehung und Reinkarnation, sie war aber auch der Gott für die vier Elemente Wasser, Erde, Feuer, Luft. Für die Tolteken (ca. 900-1200 n.Chr.) war Quetzalcoatl der Hauptgott und der Schöpfer der Welt, er stand für Weisheit, Kultur, Regen und Fruchtbarkeit. Auch bei den Azteken (14.-16. Jh.) war die gefiederte Schlange Quetzalcoatl der Gott der Schöpfung und der Weisheit und brachte den Menschen Ackerbau, Handwerk, Künste und Wissenschaft sowie den Kalender.
Quetzalcoatl galt als „gute Gottheit“, die Menschenopfer ablehnte, ihn stand allerdings mit Tezcatlipoca ein Widersacher gegenüber. Die Zwillingsbrüder symbolisieren die ewigen Gegensätze Licht und Finsternis, Schöpfung und Zerstörung.

Die obige Darstellung stammt aus dem Codex Telleriano-Remensis, einer aztekischen Handschrift aus dem 16. Jahrhundert. Die Ikonografie zeigt eine aufrechtstehende, S-förmige, gefiederte Schlange (Quetzalcoatl) im Profil, die einen Mann verschlingt. Der Körper der Schlange ist grün mit zarten Federn, ihr Bauch weist jedoch auch gelbe und rote Akzente auf. Das Codex-Original befindet sich in der Bibliothèque nationale de France in Paris.

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Legenden um den sagenhaften Quetzal
Wie kam der Quetzal zu seiner roten Brust?
Um den sagenhaften Quetzal ranken mehrere Mythen und Legenden. Eine davon stammt aus mündlichen Überlieferungen und geht auf die Eroberung des Reiches der Quiché durch die Spanier zurück. Dabei wurde der letzte König der Quiché ermordet, ein „Quetzal-Kolibri“ habe sich auf ihm niedergelassen und sein Brustgefieder mit dem Blut des Königs getränkt. Seither trage der Quetzal seine scharlachrote Brust. Sie gilt somit als Symbol für die Trauer um den letzten König der Quiché, und allgemein um den Verlust der Freiheit des Volkes.
Eine andere, einfachere Legende besagt, ein Quetzalmännchen habe im Blut eines getöteten Spaniers gebadet und so seinen roten Bauch erhalten…
Der Quetzal in Gefangenschaft?
Eine weit verbreitete Legende besagt, dass sich der Quetzal in Gefangenschaft selbst töte. Dies steht in Zusammenhang mit dem Quetzal als Symbol der Freiheit. In der Tat gelang es nur einmal, einen Quetzal in Gefangenschaft zu halten: in den 1990er Jahren in einem Zoo in Mexiko.
Wo kann man den Quetzal am ehesten entdecken?
Gesicherte große Rückzugsgebiete findet man in Guatemala, etwa 100 bis 300 km nördlich der Hauptstadt (Alta Verapaz, Biotopo de Quetzal u.a.). In Costa Rica sind es u.a. der Nationalpark Los Quetzales, das Nebelwaldgebiet von Monteverde und Santa Elena sowie die Nationalparks Juan Castro Blanco, La Amistad und Chirripó. Alle Lebensräume befinden sich in rund 1.200 bis 3.000 m Seehöhe. Die beste Reisezeit ist die Brutzeit, wenn die Männchen ihre langen Schwanzfedern tragen. Sie variiert je nach Region von Jänner bis Mai.
Viel Glück!
